Frage: Was ist mit dem zweiten Teil von „Lā ilāha illa Allāh“ gemeint im Zusammenhang mit den Bedingungen von „Lā ilāha illa Allāh“ und mit der Auslegung der Aussage Allāhs in der Sūrah Muḥammad (sinngemäß): „So wisse, dass es keinen Ilāh gibt außer Allāh“?
Antwort: Allāhs Segen sei auf Muḥammad und der Familie von Muḥammad.
Wir behandeln hier eine grundlegende Angelegenheit in Bezug auf den Islām des Menschen: Wie und wodurch ist ein Mensch in Wirklichkeit Muslim? Und wodurch wird über seinen Islām geurteilt? Denn das Urteil darüber, dass jemand Muslim ist, ist etwas anderes als sein tatsächlicher Islām. Wir können über einen Menschen urteilen, dass er Muslim ist, und dabei dennoch falsch liegen. Daher müssen wir wissen, wodurch sich der wahre Islām verwirklicht – jener Islām, den Allāh (سبحانه وتعالى) wollte und befohlen hat und dessen Ergebnis das Paradies ist. Ebenso müssen wir wissen, auf welcher Grundlage wir über einen Menschen als Muslim urteilen, wodurch sein Leben, sein Blut und sein Besitz geschützt werden. Der wahre Islām verwirklicht sich durch zwei Dinge:
- Den Kufr gegenüber dem Ṭāghūt.
- Den Īmān an Allāh.
Diese beiden Dinge verwirklichen sich nur, wenn der Mensch den Ṭāghūt richtig kennt, Allāh (سبحانه وتعالى) richtig kennt, und versteht, was Kufr gegenüber dem Ṭāghūt bedeutet und was Īmān an Allāh bedeutet. Dann muss er dies fest in seinem Herzen verankern – mit einem unerschütterlichen Glauben – und anschließend entsprechend handeln. Er muss die Ālihah, die außer Allāh angebetet werden, richtig kennen, und Allāh richtig kennen, dann den Kufr gegenüber dem Ṭāghūt begehen und an Allāh glauben.
Allāh sagt:
فَمَن يَكْفُرْ بِالطَّاغُوتِ وَيُؤْمِن بِاللَّهِ فَقَدِ اسْتَمْسَكَ بِالْعُرْوَةِ الْوُثْقَىٰ
Gemäß der ungefähren Übersetzung der Auslegung des Übersetzers:
„Wer den Kufr gegenüber dem Ṭāghūt begeht und an Allāh glaubt, der hat sich an der festen Handhabe festgehalten.“
(Quelle: Der edle Qurʾān, Sūrah al-Baqarah, 'Āyah 256)
Und Er sagt:
فَاعْلَمْ أَنَّهُ لَا إِلَٰهَ إِلَّا اللَّهُ
Gemäß der ungefähren Übersetzung der Auslegung des Übersetzers:
„So wisse, dass es keinen Ilāh gibt außer Allāh.“
(Quelle: Der edle Qurʾān, Sūrah Muḥammad, 'Āyah 19)
Dieses „Wissen“ bedeutet die Erkenntnis, die zur inneren Gewissheit führt. Diese Erkenntnis hat nur einen einzigen Weg: die Offenbarung, also den edlen Qurʾān. Denn wir erkennen Allāh und den Ṭāghūt ausschließlich durch den Qurʾān. Er ist die sichere Quelle, die uns Allāh vorstellt, uns den Ṭāghūt erklärt und uns zeigt, wie man den Kufr gegenüber dem Ṭāghūt begeht und an Allāh glaubt. Was jedoch das Urteil über den Islām eines Menschen betrifft, so urteilen wir nach dem, was uns von ihm äußerlich erscheint – durch seine Worte oder seine Taten. Allāh (سبحانه وتعالى) hat ein einziges Wort festgelegt, durch das der Eintritt in den Islām äußerlich erkannt wird, solange nichts von ihm hervorkommt, was diesen Eintritt wieder aufhebt:
Aschhadu an lā ilāha illā Allāh, wa ashhadu anna Muḥammadan Rasūlu llāh
„Ich bezeuge, dass es keinen Ilāh gibt außer Allāh, und ich bezeuge, dass Muḥammad der Gesandte Allāhs ist.“
Auf dieser Grundlage urteilen wir äußerlich über seinen Islām. Was jedoch in den Herzen ist, darüber weiß nur Allāh (سبحانه وتعالى) Bescheid. Denn auch der Heuchler spricht die beiden Glaubensbekenntnisse so wie der aufrichtige Gläubige. Die Herzen kennt allein Allāh. Wir urteilen nach dem Sichtbaren, und dieses Urteil bleibt bestehen, solange der Mensch nichts sagt oder tut, was es aufhebt.
Und Allāh weiß es am besten und ist weiser.
Fatwā Nr.: 368 / Quelle: Frage-Antwort-Runde vom 19.05.2022
