Frage: Wie soll ich mich ausdrücken, wenn in Gesprächen – sei es allgemein oder mit Christen – die Tora und das Evangelium zur Sprache kommen? Darf man sagen, dass diese Bücher einen nicht interessieren?
Antwort: Allāhs Segen sei auf Muḥammad und der Familie von Muḥammad.
Die Grundregel lautet, dass über die Tora und das Evangelium nur diejenigen sprechen sollten, die zum Kreis der Gelehrten gehören und dies bei Bedarf tun. Für jemanden, der nicht zu den Leuten des Wissens zählt, gehört diese Thematik nicht zum eigenen Zuständigkeitsbereich, da er weder zwischen Richtigem und Falschem in diesen Schriften unterscheiden noch ihre Inhalte sachgerecht beurteilen kann. Daher ist es angemessener, in solchen Situationen darauf hinzuweisen, dass diese Angelegenheit nicht zum eigenen Fachgebiet gehört, anstatt zu sagen, sie interessiere einen nicht.
In einem Dialog mit Christen ist dieser Ansatz umso wichtiger, da man die Fehlerhaftigkeit oder Unstimmigkeit ihrer Glaubensvorstellungen aus ihren eigenen Quellen heraus aufzeigen müsste. Ein Christ akzeptiert ein Argument aus dem Qur’ān nicht, weil er dessen Autorität nicht anerkennt; deshalb muss die Argumentation auf Quellen beruhen, die er selbst als Beweis akzeptiert. Dies entspricht der methodischen Vorgehensweise in jeder Form von Dialog, etwa auch in Gesprächen mit Atheisten, bei denen man Beweise heranzieht, die beide Seiten als gültig ansehen – wie die kosmologischen Zeichen als Hinweis auf die Existenz Allāhs.
Grundsätzlich gilt zudem, dass wir als Muslime an die himmlischen, unverfälschten Bücher glauben müssen. Ihre ursprüngliche Offenbarung betrifft uns im Rahmen des Glaubens an die gesandten Schriften. Wenn jedoch von den heutigen, verfälschten Fassungen die Rede ist, ist der zuvor genannte methodische Umgang maßgeblich.
Und Allāh weiß es am besten und ist weiser.
Fatwā Nr.: 344 / Quelle: Frage-Antwort-Runde vom 24.11.2022
