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Im Namen Allāhs, des Allerbarmers, des Gnädigen

Ḥadīth Mutawātir und Ḥadīth al-Āhād

Alles Lob und Preis gebührt Allāh, dem Herrn der Welten und Sein Segen und Heil seien auf dem geehrtesten der Propheten und Gesandten, Muḥammad, dem Sohne ʿAbd Allāhs, und auf seiner gereinigten Familie, seinen gesegneten Gefährten und auf all jenen, die ihnen im Guten bis zum Jüngsten Tag folgen.

Unter den °Ulamā besteht in diesen Zusammenhängen keine Einigkeit über die Definitionen von Begriffen. Über die Definition von al-Tawātur (ein Grad der Gewissheit in Bezug auf eine Überliefererkette, da die Anzahl der Überlieferungen groß genug ist, sodass keine Möglichkeit für eine Verschwörung der Überlieferer bei der Erstellung der Überlieferung besteht) und in der Folge über die Bestimmung, was ein Ḥadīth Mutawātir (Überlieferung mit ununterbrochener Überliefererkette und großer Anzahl von Überlieferern) ist, gibt es demnach auch 'Ikhtilāf (Meinungsverschiedenheiten) unter den Leuten des Wissens ('Ahl al-°Ilm). Im Allgemeinen kann bezüglich des Ḥadīth Mutawātir festgehalten werden, dass ein bestimmter Matn (Inhalt) von mehreren Quellen, die in keinem Zusammenhang miteinander stehen, übermittelt wird und deshalb von seiner Richtigkeit ausgegangen wird. Es gibt nun Definitionen, welche die Anzahl der Quellen spezifizieren und erst ab der Anzahl von fünf Quellen einen Ḥadīth als mutawātir festlegen. Dann gibt es solche Definitionen, die sieben Quellen erfordern. Andere Definitionen beziehen sich auf Personen im Sanad (Überliefererkette) und ihre Position in der Abfolge der Personen bis zum Propheten bzw. die Anzahl der Personen zwischen ihnen und dem Propheten (صلى الله عليه وعلى آله وسلم), also darauf aus welcher Anzahl von Personen sich der Sanad (Überliefererkette) zusammensetzt.

Diese unterschiedlichen Festlegungen, wie ein Ḥadīth als mutawātir definiert wird, beeinflusst klarerweise die Bestimmung, was unter einem Ḥadīth Mutawātir verstanden wird. Die Meinungen unter den °Ulamā, wie al-Tawātur verstanden wird, gehen auseinander und genauso verhält es sich bezüglich des Ḥadīth al-Āhād. Nun gibt es °Ulamā, die der Meinung sind, dass die °Aqīdah auf den 'Aḥadīth Mutawātirah begründet werden kann und diesbezüglich gibt es wiederum 'Ikhtilāf (Meinungsverschiedenheiten), da diese Entscheidung auf den jeweiligen Idschtihād zurückzuführen ist.

Für uns ist es klar und deutlich und von wichtiger Bedeutung: 'Aḥadīth, ob sie als mutawātir oder āhād klassifiziert sind oder nicht, entsprechen immer ẓannī al-Thubūt (zweifelhaft in Bezug auf die Quelle). Wie wir das schon davor darlegten, darf die °Aqīdah nicht auf 'Adillah (Beweise), die ẓannī al-Thubūt entsprechen, begründet werden. Die °Aqīdah darf nur auf 'Adillah (Beweise) der Kategorien qaṭ°ī al-Thubūt (absolut stichhaltig in Bezug auf die Quelle) und qaṭ°ī al-Dalālah (absolut stichhaltig in Bezug auf die Bedeutung) gestützt werden.

Wie steht es nun aber um die 'Aḥadīth al-Mutawātirah und wie kann es sein, dass diese im Hinblick auf die Bedeutung, die ihnen beigemessen wird, nicht stichhaltig, qaṭ°ī sein können? Wir sagen dazu, dass es 'Aḥadīth gibt, die als mutawātir eingestuft wurden, diese jedoch dem edlen Qur’ān eindeutig widersprechen. Sie widersprechen den eindeutigen 'Āyāt im Qur’ān und genau darin liegt die Problematik. Unser Maßstab, unsere Waage und unser Wegweiser ist der edle Qur’ān und selbst wenn der Ḥadīth Mutawātir auch als völlig richtig, also ṣaḥīḥ (authentisch) klassifiziert wurde, während er aber dem edlen Qur’ān widerspricht, so verhält es sich gleich, wie wenn der Ḥadīth für uns nicht existieren würde und das steht außer Frage.

Wenn die 'Aḥadīth mit dem edlen Qur’ān jedoch übereinstimmen, so sind diese für uns ṣaḥīḥah (authentisch). Diese Richtigkeit bezieht sich aber auf den bloßen Matn (Inhalt), die Bedeutung und nicht auch auf den Kontext. Es kann nicht bestätigt werden, dass ein bestimmter Kontext, so wie er uns vorliegt, tatsächlich vom Propheten (صلى الله عليه وعلى آله وسلم) stammt, da wir nicht behaupten können und niemand behaupten kann, dass der Prophet (صلى الله عليه وعلى آله وسلم) exakt genau dies und jenes mit der bestimmten Wortwahl gesagt hat. Wir können sagen, dass sich der Ḥadīth auf den Propheten (صلى الله عليه وعلى آله وسلم) bezieht und die Bedeutung des Matn (Inhalts) des Ḥadīth mit den eindeutigen 'Āyāt im edlen Qur’ān im Einklang steht und deshalb für uns dieser Ḥadīth ṣaḥīḥ (authentisch) ist. Jeder Ḥadīth, der nicht mit den eindeutigen 'Āyāt im edlen Qur’ān übereinstimmt, sondern denen widerspricht, akzeptieren wir nicht.

Darüber hinaus gibt es 'Aḥadīth, die den 'Āyāt weder widersprechen noch mit ihnen übereinstimmen. Diese können wir demnach weder annehmen noch ablehnen und stufen die Angelegenheit als unbestimmt ein, bis Allāh (عز وجل) erlaubt, dass die Realität diese 'Aḥadīth bestätigt. Bis dahin können sie weder angenommen noch abgelehnt werden.

Zusammenfassend halten wir nochmal fest: Alle 'Aḥadīth, die uns heute vorliegen sind nicht als absolut ṣaḥīḥ (authentisch) in Bezug auf ihre Herkunft anzusehen, sie sind nicht qaṭ°ī al-Thubūt (absolut stichhaltig in Bezug auf die Quelle), sondern sie sind Bezug auf ihre Herkunft ẓannī (unklar, zweifelhaft) - also sie sind also ẓannī al-Thubūt (zweifelhaft in Bezug auf die Quelle). Jeder Dalīl (Beweis), der ẓannī al-Thubūt (zweifelhaft in Bezug auf die Quelle) ist, also seine Quelle, seine Herkunft nicht qaṭ°ī (zweifelslos, klar und deutlich) ist, darf nicht selbstverständlich und ohne Weiteres angenommen werden, um darauf basierend die °Aqīdah zu bilden. Dies ist nur denkbar und möglich, wenn der Ḥadīth mit einer 'Āyah aus dem edlen Qur’ān zusammen betrachtet wird und mit dieser übereinstimmt.

Wir sagen klar und deutlich: Die 'Aḥadīth sind für uns ẓannī al-Thubūt (zweifelhaft in Bezug auf die Quelle), ihre Herkunft ist also ẓannī (unklar, zweifelhaft). Es gibt viele 'Aḥadīth, deren Matn (Inhalt) mit dem edlen Qur’ān übereinstimmt, wie z.B. 'Aḥadīth, die uns über Eigenschaften und Namen Allāhs, den Tauḥīd oder Anbetungsformen berichten. Wir akzeptieren diese 'Aḥadīth, da sie dem edlen Qur’ān nicht widersprechen. Es gibt aber auch 'Aḥadīth, die unabhängig von ihrer Stufe dem edlen Qur’ān widersprechen, wie z.B. 'Aḥadīth, in denen zu lesen ist, dass man Allāh (جل جلاله‎) sehen kann oder dass Allāh (تبارك وتعالى) zum Himmel hinuntersteigt - diese 'Aḥadīth lehnen wir ab.

Es gibt eine weitere Sorte von 'Aḥadīth, nämlich jene, in denen etwas berichtet wird, wobei diese Thematik im edlen Qur’ān nicht konkreter erwähnt wird, aber dem edlen Qur’ān auch nicht widerspricht. Es sind zum Beispiel viele 'Aḥadīth, die al-Dschannah (das Paradies) oder den Zustand der Mu'minūn (Gläubigen) und der Gaben in al-Dschannah beschreiben. Diese Beschreibungen finden wir nicht im edlen Qur’ān, allerdings finden wir auch nichts, was dem widerspricht und können diese Aussagen weder bestätigen noch ablehnen. Da wir diese weder komplett annehmen noch verwerfen können, sagen wir dazu, dass diese Angelegenheit bei Allāh ist.

Und Allāh weiß es am besten und ist weiser.