
Im Namen Allāhs, des Allerbarmers, des Gnädigen
Das korrekte Verständnis der 'Āyāh: „Laysa ka-mithlihi schayʾ.“
Alles Lob und Preis gebührt Allāh, dem Herrn der Welten und Sein Segen und Heil seien auf dem geehrtesten der Propheten und Gesandten, Muḥammad, dem Sohne ʿAbd Allāhs, und auf seiner gereinigten Familie, seinen gesegneten Gefährten und auf all jenen, die ihnen im Guten bis zum Jüngsten Tag folgen.
Die Qurʾān-Kommentatoren und Grammatiker [der arabischen Sprache] haben hinsichtlich der Auslegung der Aussage Allāhs (سبحانه وتعالى):
لَيْسَ كَمِثْلِهِ شَىْءٌ
(القرآن الكريم، سورة الشورى، الآية 11)
Gemäß der ungefähren Übersetzung der Auslegung des Übersetzers:
„Nichts ist Ihm gleich.“
Quellenangabe: Der edle Qurʾān, Sūrah asch-Schūrā (42), 'Āyah 11.
verschiedene Lehrmeinungen vertreten. Diese unterschiedlichen Ansichten waren der Ursprung für ihre abweichenden Aussagen und Glaubensvorstellungen bezüglich der Eigenschaften Allāhs (عز وجل). Im Folgenden fassen wir diese Ansichten zusammen:
Die Ansicht der ersten Gruppe
Einige von ihnen sagten, dass der Buchstabe „Kāf“ im Wort ka-mithlihi hier sprachlich gesehen zāʾid sei – also zusätzlich, verstärkend bzw. ohne eigene Wortbedeutung. Die Bedeutung nach ihrem Verständnis wäre demnach: Laysa mithla Allāhi shayʿ – also sinngemäß: „Nichts ist wie Allāh.“
Die Unhaltbarkeit und Falschheit dieser Aussage ist jedoch offensichtlich. Denn die Behauptung, es gäbe zusätzliche bzw. überflüssige Buchstaben im edlen Qurʾān, würde Allāh (سبحانه وتعالى) Sinnlosigkeit zuschreiben. Dies ist absolut unmöglich, da Sinnlosigkeit eine Eigenschaft des Mangels ist – erhaben ist Allāh über das, was sie Ihm zuschreiben.
Zudem bedeutet die Annahme eines zusätzlichen Buchstabens „Kāf“, dass zwar die Mumāthalah – also die absolute Gleichartigkeit – verneint wird, nicht aber die Muschābahah – also die Ähnlichkeit in einigen Eigenschaften. Was bedeutet nun die Verneinung der absoluten Gleichartigkeit? Die absolute Gleichartigkeit entspricht einer völligen Gleichheit. Die Verneinung der absoluten Gleichartigkeit bedeutet hier also nur die Verneinung der absoluten Gleichheit in einer Eigenschaft, die sowohl Allāh als auch Seine Schöpfung besitzen. Das bedeutet nach ihrer Auffassung, dass es gemeinsame Eigenschaften zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf gäbe, diese sich jedoch unterscheiden und nicht völlig gleich seien.
Ihr Beispiel dafür ist: Der Mensch hat ein Gesicht, Finger, einen Fuß, ein Auge und ein Bein; und Allāh besitze ebenfalls solche Organe und Gliedmaßen – Er habe ein Gesicht, Finger, eine Hand, einen Fuß und ein Bein. Doch bei dieser Aussage behaupten sie, dass diese Organe und Gliedmaßen, die Allāh zugeschrieben werden, und die Organe und Gliedmaßen der Geschöpfe nicht völlig gleich oder identisch seien. Sie sagen: Er hat ein Gesicht, das nicht wie das Gesicht des Menschen ist, und eine Hand, die nicht wie die Hand des Menschen oder des Geschöpfs ist. Jedoch sind Teilung und Organe bzw. Gliedmaßen typische Eigenschaften von Geschöpfen. Durch dieses Verständnis haben sie Allāh so beschrieben, als bestünde Er aus Teilen und besäße Organe bzw. Gliedmaßen, die gleichartig, aufeinander abgestimmt und miteinander verbunden sind und gemeinsam arbeiten, um einen bestimmten Zweck zu erfüllen – genau so, wie es bei den Geschöpfen der Fall ist. Erhaben ist Allāh weit über das, was sie beschreiben!
Die Ansicht der zweiten Gruppe
Die Vertreter der zweiten Ansicht sagten, dass das „Kāf“ hier die Bedeutung von mithl (also „wie“) hat. Die Bedeutung nach ihrem Verständnis wäre demnach: Laysa mithla mithlihi shayʿ – also sinngemäß: „Nichts ist wie das Gleichnis Allāhs“, bezogen auf alles Existierende oder Zählbare. Auch die Unhaltbarkeit und Falschheit dieser Aussage ist völlig klar und offenkundig. Denn diese Ansicht schreibt Allāh (تبارك وتعالى) ein „Gleichnis“ (bzw. Ebenbild) zu. Damit haben sie Allāh – wie bereits erwähnt – aus Teilen und Gliedern bestehend dargestellt, die zusammengefügt einen Körper bilden, der nur durch das Zusammenwirken seiner Organe und Gliedmaßen funktioniert. Würden diese Organe und Gliedmaßen getrennt werden, verlöre Er die Fähigkeit zu handeln, so wie es beim Menschen und bei Tieren der Fall ist. Diese Aussage hat ihre Vertreter, wie unmissverständlich klar ist, in den Tajsīm – also die Verkörperlichung – und in den Taschbīh – also die Gleichsetzung des Schöpfers mit Seiner Schöpfung – gestürzt. Erhaben ist Allāh weit über das, was sie beschreiben!
Unsere Ansicht
Was nun unsere Auffassung betrifft, so sagen wir: Das „Kāf“ behält seine eigentliche und offensichtliche sprachliche Funktion, nämlich den Vergleich bzw. die Ähnlichkeit. Das Wort Mithl (was Gleichnis bzw. Ebenbild bedeutet) bedeutet hier jedoch „das Selbst“ (also den Nafs) bzw. „die wesenseigene oder handlungsbezogene Eigenschaft“.
Dass das Wort Mithl im edlen Qurʾān mit der Bedeutung von „Selbst“ oder „Eigenschaft“ verwendet wird, ist im edlen Qurʾān unumstößlich bewiesen. So sagt der Erhabene in der Sūrah al-Baqarah (Āyah 137):
فَإِنْ ءَامَنُوا بِمِثْلِ مَا ءَامَنتُم بِهِ فَقَدِ ٱهْتَدَوا
(القرآن الكريم، سورة البقرة، الآية 137)
Gemäß der ungefähren Übersetzung der Auslegung des Übersetzers:
„Wenn sie an dasselbe (mithli) glauben, woran ihr glaubt, dann sind sie rechtgeleitet.“
Quellenangabe: Der edle Qurʾān, Sūrah al-Baqarah (2), 'Āyah 137.
Und Er sagt auch:
ذَٰلِكَ مَثَلُهُمْ فِى ٱلتَّوْرَىٰةِۚ وَمَثَلُهُمْ فِى ٱلْإِنجِيلِ
(القرآن الكريم، سورة الفتح، الآية 29)
Gemäß der ungefähren Übersetzung der Auslegung des Übersetzers:
„Dies ist ihr Gleichnis in der Taurāh, und ihr Gleichnis im 'Indschīl.“
Quellenangabe: Der edle Qurʾān, Sūrah al-Fatḥ (48), 'Āyah 29.
Dadurch wissen wir, dass Allāh (عز وجل) in dieser edlen Āyah durch das verneinende Verb der Vergangenheit Laysa (also „ist nicht“) jegliche Ähnlichkeit irgendeines Geschöpfes mit Ihm in all Seinen wesenseigenen oder handlungsbezogenen Eigenschaften absolut ausgeschlossen hat.
Denn das Wort Mithl gehört zu den Begriffen der Allgemeingültigkeit, da es ein unbestimmtes Nomen ist, das mit einem bestimmten Nomen verbunden ist. Somit umfasst es jede einzelne Eigenschaft Allāhs (سبحانه وتعالى), sei es eine Eigenschaft Seines Handelns oder Seines Wesens.
Zu den Eigenschaften der Geschöpfe, mit denen die Eigenschaften des Schöpfers, des Mächtigen und Erhabenen, keinesfalls verglichen werden dürfen, gehören die Körperlichkeit (Jismiyyah), das Bestehen aus Teilen (Tabayʿud) und die Gliederung in Einzelteile (Aʿbād).
Und Allāh weiß es am besten und ist weiser.
