Frage: Wie lautet das Konzept der ʿIṣmah (Unfehlbarkeit) im Islām?
Antwort: Allāhs Segen sei auf Muḥammad und der Familie von Muḥammad.
Der Begriff ʿIṣmah bedeutet in seiner sprachlichen Wurzel „das Hindern“ (al-Manʿ). So heißt es im edlen Qur'an :
Gemäß der ungefähren Übersetzung der Auslegung des Übersetzers:
„Ich werde mich auf einen Berg zurückziehen, der mich vor dem Wasser schützt (yaʿṣimunī).“
(Quelle: Der edle Qurʾān, Sūrah Hūd [11], 'Āyah 43)
Das heißt: „der mich davor bewahrt“, dass das Wasser mich erreicht oder mich vernichtet. Der Begriff ʿIṣmah in dieser spezifischen Bedeutung – also im Zusammenhang mit den Propheten – wird im Qurʾān oder in der Sunnah nicht ausdrücklich verwendet. Er ist vielmehr ein arabischer Ausdruck, der gewählt wurde, um eine im Qurʾān und in der Sunnah fest verankerte Bedeutung zu beschreiben: nämlich das göttliche Bewahren der Propheten vor Fehlern und Sünden.
In der islāmrechtlichen (scharʿī) Bedeutung bezeichnet die ʿIṣmah das Bewahren vor dem Verfallen in Sünde (Maʿṣiyah). Wenn wir sagen, der Prophet (صلّى الله عليه وعلى آله وسلّم) ist maʿṣūm (unfehlbar), bedeutet dies, dass er [von Allāh] daran gehindert wird, Fehler oder Sünden zu begehen, Falsches zu sagen oder zu tun oder ein Verhalten an den Tag zu legen, das dem Buch Allāhs widerspricht.
Die ʿIṣmah umfasst mehrere Bereiche:
Erstens: Das Bewahren vor Fehlern beim Empfang der Offenbarung (Waḥī). Es ist unmöglich, dass der Schayṭān ihn dabei beeinflusst oder dass er etwas ausspricht, das nicht der Wahrheit entspricht. Der Prophet empfängt ausschließlich die Offenbarung und nichts anderes. Allāh sagt:
Gemäß der ungefähren Übersetzung der Auslegung des Übersetzers:
„Und er spricht nicht aus eigener Neigung. Es ist nichts als Offenbarung, die (ihm) eingegeben wird.“
(Quelle: Der edle Qurʾān, Sūrah an-Nadschm [53], 'Āyah 3, 4)
Zweitens: Das Bewahren vor Fehlern bei der Übermittlung der Offenbarung und der Botschaft. Der Prophet übermittelte den Qurʾān und dessen Erläuterung (Bayān), welche in der Sunnah bzw. den Aḥadīth enthalten ist. Allāh sagt:
Gemäß der ungefähren Übersetzung der Auslegung des Übersetzers:
„Was euch der Gesandte gibt, das nehmt an; und was er euch untersagt, dessen enthaltet euch.“
(Quelle: Der edle Qurʾān, Sūrah al-Ḥaschr [59], 'Āyah 7)
Da Allāh uns befiehlt, alles anzunehmen, was der Gesandte bringt, ist ausgeschlossen, dass sich in seiner Übermittlung ein Fehler befindet. Allāh befiehlt nichts Schändliches oder Falsches, sondern gebietet das Gute und verbietet das Verwerfliche.
Drittens: Das Bewahren vor Fehlern im Verhalten und Handeln. Der Prophet begeht keine Sünden, weder große noch kleine. Allāh sagt:
Gemäß der ungefähren Übersetzung der Auslegung des Übersetzers:
„Jene sind es, die Allāh rechtgeleitet hat. So folge ihrer Rechtleitung.“
(Quelle: Der edle Qurʾān, Sūrah al-Anʿām [6], 'Āyah 90)
Gemäß der ungefähren Übersetzung der Auslegung des Übersetzers:
„Ihr habt ja im Gesandten Allāhs ein schönes Vorbild.“
(Quelle: Der edle Qurʾān, Sūrah al-Aḥzāb [33], 'Āyah 21)
Gemäß der ungefähren Übersetzung der Auslegung des Übersetzers:
„Ihr hattet ja in Ibrāhīm und denen, die mit ihm waren, ein schönes Vorbild.“
(Quelle: Der edle Qurʾān, Sūrah al-Mumtaḥanah [60], 'Āyah 4)
Gemäß der ungefähren Übersetzung der Auslegung des Übersetzers:
„Ihr habt ja in ihnen ein schönes Vorbild für denjenigen, der Allāh und den Jüngsten Tag erwartet.“
(Quelle: Der edle Qurʾān, Sūrah al-Mumtaḥanah [60], 'Āyah 6)
Derjenige also, den Allāh uns befiehlt, als Vorbild zu nehmen und dessen Handeln zu folgen, kann in seinem Verhalten keine Fehler oder Verfehlungen haben. Jeder, der mit der Übermittlung einer göttlichen Botschaft beauftragt ist und dessen Worte und Taten uns als Vorbild dienen, muss unfehlbar sein. Wäre er es nicht, hieße das, dass Allāh das Fehlerhafte befiehlt – und dies ist unmöglich, da Allāh niemals das Schändliche gebietet, sondern stets das Gerechte und Gute. Dies ist in Kürze die Bedeutung der ʿIṣmah.
Und Allāh weiß es am besten und ist weiser.
Fatwā Nr.: 339 / Quelle: Frage-Antwort-Runde vom 24.11.2022
