Frage: Wie ist das islāmische Urteil über das Empfinden von positiver oder negativer Energie an bestimmten Orten oder gegenüber bestimmten Menschen? Gibt es so etwas im Islām?
Antwort: Allāhs Segen sei auf Muḥammad und der Familie von Muḥammad.
Diese Angelegenheit betrifft das subjektive Empfinden des Menschen – sie hat jedoch keine Grundlage im islāmischen Recht (Scharīʿah). Wenn jemand an einem Ort ein Gefühl der Erleichterung oder des Drucks verspürt, oder er fühlt sich zu einer Person hingezogen oder abgestoßen, ohne dass es einen sichtbaren, nachvollziehbaren Grund gibt, dann darf auf solchen Eindrücken keine Beurteilung aufgebaut werden.
Denn im Islām müssen Urteile und Haltungen auf etwas Sinnlich-Wahrnehmbarem und Sichtbarem basieren. Wenn ein Mensch einen Raum betritt und sagt: „Ich spüre, dass hier Sünden begangen wurden“, obwohl er weder etwas gesehen, noch gehört, noch in Erfahrung gebracht hat, dann sind das Einbildungen. Solche Gedanken können sogar von satanischer Einflüsterung (Waswasah) stammen. Ein Muslim soll sich mit der Realität befassen – mit dem, was greifbar ist: Er freut sich über das, was er als gut erkennt, und fühlt Ablehnung gegenüber dem, was er als schlecht sieht.
Aber bloße Vermutungen oder diffuse Gefühle, die ohne Beweise entstehen, sind keine Grundlage für Entscheidungen oder Urteile. Wer sich auf solchen Wegen bewegt, riskiert ein tiefes Ungleichgewicht in seinem Leben: Beziehungen zu Menschen, Wahrnehmungen von Orten, Erlebnisse in bestimmten Situationen – alles kann dadurch durcheinandergeraten. Die Folge ist eine seelische Verwirrung.
Und Allāh weiß es am besten und ist weiser.
Fatwā Nr.: 233 / Quelle: Frage-Antwort-Runde vom 31.08.2023
