Frage: Ist das Aussprechen der Bittgebete mit der Zunge eine Voraussetzung? Darf ein Mensch auch innerlich zu Allāh beten, ohne die Worte auszusprechen? Gilt der innere Dhikr genauso wie der verbale? Und werden sowohl die inneren Taten des Herzens als auch die äußeren Taten der Gliedmaßen von den Engeln aufgezeichnet und emporgehoben?
Antwort: Allāhs Segen sei auf Muḥammad und der Familie von Muḥammad.
Das Grundprinzip der ʿIbādah besteht darin, dass es innere Gottesdienste gibt – die Taten der Herzen – und äußere Gottesdienste – die Taten der Gliedmaßen. Die inneren Taten umfassen das, was im Herzen verankert ist, wie der Īmān an Allāh, an die Engel und an die Bücher sowie Liebe und Zufriedenheit. Diese gehören zu den Handlungen der Herzen.
Daneben gibt es äußere Gottesdienste, die Allāh (عز وجل) festgelegt hat: Taten der Zunge, wie gesprochene Aussagen, sowie Taten der Hände und anderer Gliedmaßen. Zu diesen äußeren Taten gehört auch der Duʿāʾ. Allāh hat den Duʿāʾ als sprachliche Handlung vorgeschrieben, sodass der Mensch Allāh durch das gesprochene Bittgebet ersucht. Dies ist die islāmrechtlich festgelegte Form des Duʿāʾ.
Wenn jemand jedoch im Herzen einen Wunsch hegt oder Allāh innerlich bittet, steht dem nichts entgegen. Dies ersetzt jedoch nicht die Form des Duʿāʾ, die Allāh als Handlung der Zunge festgelegt hat. Ein anschauliches Beispiel ist das Gebet (Ṣalāh): Darin muss der Qurʾān sprachlich rezitiert werden; eine bloß innere Rezitation wäre keine gültige Gebetsrezitation. Die artikulierte Rezitation ist notwendiger Bestandteil der Ṣalāh.
Der Dhikr unterteilt sich in zwei Arten: Dhikr des Herzens und Dhikr der Zunge. Der innere Dhikr besteht im inneren Erinnern an Allāh, das den Diener zu rechtschaffenen Taten und zum Unterlassen des Verbotenen bewegt. Der verbale Dhikr umfasst die überlieferten Formeln, das Rezitieren des Qurʾān, der Duʿāʾ, den Tasbīḥ, den Tahlīl, den Taḥmīd und weitere sprachliche Formen des Gedenkens.
Bezüglich der Aufzeichnung der Taten gilt: Alles wird erfasst – sowohl das gesprochene Wort als auch die äußere oder innere Tat –, seien es Taten der Herzen oder Taten der Gliedmaßen. Beide Kategorien werden von den Engeln aufgezeichnet und berücksichtigt. [Dabei ist zu beachten: Die Engel zeichnen nur die realisierten Handlungen des Herzens auf, also das, was tatsächlich als Tat im Herzen passiert. Bloße Gedanken bleiben ausschließlich Allāh bekannt.]
Und Allāh weiß es am besten und ist weiser.
Fatwā Nr.: 347 / Quelle: Frage-Antwort-Runde vom 15.09.2022
