
Im Namen Allāhs, des Allerbarmers, des Gnädigen
Erleichtert und erschwert nicht
Alles Lob und Preis gebührt Allāh, dem Herrn der Welten und Sein Segen und Heil seien auf dem geehrtesten der Propheten und Gesandten, Muḥammad, dem Sohne ʿAbd Allāhs, und auf seiner gereinigten Familie, seinen gesegneten Gefährten und auf all jenen, die ihnen im Guten bis zum Jüngsten Tag folgen.
Zu den Namen Allāhs (سبحانه وتعالى) gehören unter anderem der Gewaltige (al-ʿAẓīm), der Allerbarmer (ar-Raḥmān) und der Gnädige (ar-Raḥīm). Zur Vollkommenheit Allāhs (تَبَارَكَ وَتَعَالَى) und zu Seiner Gnade gegenüber den Dienern gehört, dass Er ihnen keine Taten und Verpflichtungen auferlegt hat, zu denen sie keine Kraft besitzen. Ebenso hat Er nicht zugelassen, dass jemand anderes ihnen solche Lasten auferlegt. Im Dīn hat Allāh keinerlei Bedrängnis bestimmt, vielmehr wollte Er für die Menschen die Erleichterung und nicht die Erschwernis.
Dies wird im edlen Qurʾān eindeutig dargelegt:
لَا يُكَلِّفُ ٱللَّهُ نَفْسًا إِلَّا وُسْعَهَا ۚ لَهَا مَا كَسَبَتْ وَعَلَيْهَا مَا ٱكْتَسَبَتْ
Gemäß der ungefähren Übersetzung der Auslegung des Übersetzers:
„Allāh erlegt keiner Seele mehr auf, als sie zu leisten vermag. Ihr kommt zugute, was sie erworben hat, und sie trägt die Last dessen, was sie begangen hat.“
(Quelle: Der edle Qurʾān, Sūrah al-Baqarah [2], 'Āyah 286)
Ebenso sagt Allāh (تَعَالَى):
لِيُنفِقْ ذُو سَعَةٍۢ مِّن سَعَتِهِۦ ۖ وَمَن قُدِرَ عَلَيْهِ رِزْقُهُۥ فَلْيُنفِقْ مِمَّآ ءَاتَىٰهُ ٱللَّهُ ۚ لَا يُكَلِّفُ ٱللَّهُ نَفْسًا إِلَّا مَآ ءَاتَىٰهَا ۚ سَيَجْعَلُ ٱللَّهُ بَعْدَ عُسْرٍۢ يُسْرًۭا
Gemäß der ungefähren Übersetzung der Auslegung des Übersetzers:
„Der Vermögende soll aus seinem Vermögen ausgeben; und wessen Versorgung beschränkt ist, der soll von dem ausgeben, was Allāh ihm gegeben hat. Allāh erlegt keiner Seele mehr auf, als Er ihr gegeben hat. Allāh wird nach einer Bedrängnis Erleichterung schaffen.“
(Quelle: Der edle Qurʾān, Sūrah aṭ-Ṭalāq [65], 'Āyah 7)
Und Allāh sagt:
يُرِيدُ ٱللَّهُ بِكُمُ ٱلْيُسْرَ وَلَا يُرِيدُ بِكُمُ ٱلْعُسْرَ
Gemäß der ungefähren Übersetzung der Auslegung des Übersetzers:
„Allāh will für euch die Erleichterung und will für euch nicht die Erschwernis.“
(Quelle: Der edle Qurʾān, Sūrah al-Baqarah [2], 'Āyah 185)
Ebenso heißt es:
وَمَا جَعَلَ عَلَيْكُمْ فِى ٱلدِّينِ مِنْ حَرَجٍۢ
Gemäß der ungefähren Übersetzung der Auslegung des Übersetzers:
„Und Er hat euch im Dīn keine Bedrängnis auferlegt.“
(Quelle: Der edle Qurʾān, Sūrah al-Ḥadsch [22], 'Āyah 78)
Auch im überlieferten Ḥadīth wird dieses Prinzip bestätigt:
حَدَّثَنَا آدَمُ، حَدَّثَنَا شُعْبَةُ، عَنْ أَبِي التَّيَّاحِ، قَالَ سَمِعْتُ أَنَسَ بْنَ مَالِكٍ ـ رضى الله عنه ـ قَالَ قَالَ النَّبِيُّ صلى الله عليه وسلم " يَسِّرُوا وَلاَ تُعَسِّرُوا، وَسَكِّنُوا وَلاَ تُنَفِّرُوا ".
Gemäß der ungefähren Übersetzung der Auslegung des Übersetzers:
Es wurde von Anas ibn Mālik überliefert, dass der Gesandte Allāhs (صلّى الله عليه وعلى آله وسلّم) sagte: „Erleichtert und erschwert nicht, bringt Ruhe und schreckt nicht ab.“
(Quelle: al-Dschāmiʿ aṣ-Ṣaḥīḥ von al‑Bukhārī, Ḥadīth Nr. 6125; Buch 78 Kapitel 80 Ḥadīth 1)
Darüber hinaus wurde den Gläubigen selbst im Bittgebet auferlegt, Allāh darum zu bitten, ihnen keine Lasten aufzubürden, zu denen sie keine Kraft haben. Allāh sagt:
رَبَّنَا لَا تُؤَاخِذْنَآ إِن نَّسِينَآ أَوْ أَخْطَأْنَا ۚ رَبَّنَا وَلَا تَحْمِلْ عَلَيْنَآ إِصْرًۭا كَمَا حَمَلْتَهُۥ عَلَى ٱلَّذِينَ مِن قَبْلِنَا ۚ رَبَّنَا وَلَا تُحَمِّلْنَا مَا لَا طَاقَةَ لَنَا بِهِۦ
Gemäß der ungefähren Übersetzung der Auslegung des Übersetzers:
„Unser Herr, ziehe uns nicht zur Rechenschaft, wenn wir vergessen oder Fehler begehen. Unser Herr, und bürde uns keine Last auf, wie Du sie denjenigen vor uns aufgebürdet hast. Unser Herr, und lade uns nichts auf, wozu wir keine Kraft haben.“
(Quelle: Der edle Qurʾān, Sūrah al-Baqarah [2], 'Āyah 286)
All dies dient dem Zweck, dass der Mensch in seinem Dīn nicht in Versuchung gerät, auf seinem Weg zu Allāh scheitert oder im Diesseits unglücklich wird. Entsprechend kam der klare Befehl des Gesandten Allāhs (ṣallallāhu ʿalayhi wa ālihi wa sallam):
عَلَيْكُمْ مِنَ الْأَعْمَالِ مَا تُطِيقُونَ
Gemäß der ungefähren Übersetzung der Auslegung des Übersetzers:
Es wurde von Wāʾil al-Ḥaḍramī im Namen von Salamah ibn Yazīd al-Dschuʿfī überliefert, dass der Gesandte Allāhs (صلّى الله عليه وعلى آله وسلّم) sagte: „[...] Euch obliegt von den Taten das, was ihr (zu leisten) vermögt.“
(Quelle: al-Dschāmiʿ aṣ-Ṣaḥīḥ von Muslim, Ḥadīth Nr. 1846)
Der Mensch verrichtet von den guten Taten das, wozu er imstande ist. Was er nicht bewältigen kann, ist ihm nicht gesetzlich auferlegt. Die verpflichtenden Handlungen liegen stets im Vermögen des Menschen, und innerhalb dieser Pflichten bestehen Erleichterungen je nach Fähigkeit.
So sagt Allāh bezüglich des Fastens:
فَمَن كَانَ مِنكُم مَّرِيضًا أَوْ عَلَىٰ سَفَرٍۢ فَعِدَّةٌۭ مِّنْ أَيَّامٍ أُخَرَ
Gemäß der ungefähren Übersetzung der Auslegung des Übersetzers:
„Wer von euch krank ist oder sich auf Reise befindet, (der fastet) eine Anzahl anderer Tage.“
(Quelle: Der edle Qurʾān, Sūrah al-Baqarah [2], 'Āyah 184)
Und hinsichtlich der Pilgerfahrt:
وَلِلَّهِ عَلَى ٱلنَّاسِ حِجُّ ٱلْبَيْتِ مَنِ ٱسْتَطَاعَ إِلَيْهِ سَبِيلًۭا
Gemäß der ungefähren Übersetzung der Auslegung des Übersetzers:
„Und Allāh steht es den Menschen gegenüber zu, dass sie die Pilgerfahrt zum Hause unternehmen – diejenigen, die dazu die Möglichkeit haben.“
(Quelle: Der edle Qurʾān, Sūrah Āl ʿImrān [3], 'Āyah 97)
Erst recht gilt dieses Prinzip für die empfohlenen Handlungen. Der Mensch soll das tun, was er dauerhaft bewältigen kann, damit Beständigkeit möglich bleibt. Die liebsten Taten bei Allāh sind diejenigen, die beständig verrichtet werden. Sich selbst über die eigene Kraft hinaus Taten aufzubürden, selbst gute Taten, kann zu einer negativen Rückwirkung führen. Der Mensch wird müde, zieht sich zurück und unterlässt schließlich auch das, wozu er eigentlich fähig gewesen wäre. Dies kann zu Mangel, Sünde oder Verderbnis führen. Deshalb muss das Leben und Verhalten an den allgemeinen islāmischen Grundregeln ausgerichtet werden.
Zu den Schritten des Schayṭān gehört es, den Menschen dazu zu treiben, sich selbst Verpflichtungen aufzuerlegen, die er nicht bewältigen kann, damit er am Ende das unterlässt, was er bewältigen könnte, oder sogar in eine schwere Fitnah gerät. Er ruft nicht direkt zum Unterlassen des Guten auf, sondern zur Übertreibung. Dadurch entsteht Ermüdung, Abbruch und schließlich vollständiger Rückzug. Dieses Vorgehen findet sich in vielen Bereichen der religiösen Praxis. Der Schayṭān versucht, den Menschen vom Guten fernzuhalten, indem er ihm Lasten aufbürdet, die er nicht tragen kann. Viele Menschen sind daran gescheitert, haben sich zurückgezogen und sind schließlich auf einen entgegengesetzten Weg geraten, der zum Verderben statt zur Errettung führt.
Darauf gilt es im eigenen Leben zu achten: auf die List des Schayṭān, seine Schritte und seine Tücken. Und Allāh (عز وجل) wird darum gebeten, vor der List des verfluchten Shayṭān zu bewahren und vor seinem Einfluss zu schützen.
Und Allāh weiß es am besten und ist weiser.
