
Im Namen Allāhs, des Allerbarmers, des Gnädige
Die Bedeutung von „man fī as-samāʾ in der Sūrah al-Mulk [67], 'Āyāt 16, 17
Alles Lob und Preis gebührt Allāh, dem Herrn der Welten und Sein Segen und Heil seien auf dem geehrtesten der Propheten und Gesandten, Muḥammad, dem Sohne ʿAbd Allāhs, und auf seiner gereinigten Familie, seinen gesegneten Gefährten und auf all jenen, die ihnen im Guten bis zum Jüngsten Tag folgen.
أَأَمِنتُم مَّن فِي السَّمَاءِ أَن يَخْسِفَ بِكُمُ الْأَرْضَ فَإِذَا هِيَ تَمُورُ أَمْ أَمِنتُم مَّن فِي السَّمَاءِ أَن يُرْسِلَ عَلَيْكُمْ حَاصِبًا فَسَتَعْلَمُونَ كَيْفَ نَذِيرِ
Gemäß der ungefähren Übersetzung der Auslegung des Übersetzers:
„Fühlt ihr euch sicher vor man fī as-samāʾ, dass Er nicht die Erde mit euch versinken lässt, sodass sie sich plötzlich bewegt? Oder fühlt ihr euch sicher vor Dem, der im Himmel ist, dass Er nicht einen Sturm von Steinchen gegen euch sendet? Dann werdet ihr wissen, wie Meine Warnung ist.“
Quelle: Der edle Qurʾān, Sūrah al-Mulk [67], 'Āyāt 16, 17)
Diese 'Āyāt gelten bei den Mudschassimah (Verkörperlichern) und Muschabbihah (Vergleichern) als die stärksten Beweise für ihre Behauptung, Allāh (سبحانه وتعالى) befinde sich angeblich an einem bestimmten Ort und in einer bestimmten Richtung. Nach ihrer Auffassung und Argumentationsweise befinde Er sich mit Seinem Selbst (Dhāt) im Himmel. Sie behaupten, Er bewege sich von einem Himmel zum anderen; folglich sei Allāh – ihrer Vorstellung nach – ein Körper wie alle anderen Körper, den der Himmel umschließe und in dem Er sich von einem Ort zu einem anderen verlagere. Diese Annahme entspringt ihrer Unfähigkeit, die 'Āyāt des edlen Qurʾān einer tiefgehenden Analyse zu unterziehen, sowie ihrer fehlenden Unterscheidung zwischen dem, was mehrdeutig ist (ẓannī al-Dalālah), und dem, was absolut stichhaltig ist (qaṭʿī ad-Dalālah).
Sie führen den edlen Qurʾān, der ja einen absolut stichhaltige Beweis darstellt, als Beleg für ihre Aussage an und beschuldigen jeden, der ihnen hierin widerspricht, ihn nicht als Beweis anzuerkennen und seine Beweiskraft zu leugnen. Um jedoch das korrekte Verständnis in dieser Angelegenheit zu erhalten, muss man die Aussage des Erhabenen „man fī as-samāʾ“ näher betrachten. Der Begriff „man“ (wer) ist hier ein Relativpronomen (ism Mawṣūl), das auf den erhabenen Schöpfer verweist. Darauf folgt die Präpositionalphrase „fī as-samāʾ“. Diese Präpositionalphrase ist grammatikalisch an etwas gebunden, was ausgelassen wurde, nämlich an den Relativsatz (ṣilat al-Mawṣūl). Bei der Formulierung „man fī as-samāʾ […]“ ist jedoch eine Ergänzung vorausgesetzt, die nach dem Relativpronomen stehen müsste. Wird diese Ergänzung nicht ausdrücklich erwähnt, ist es notwendig, dass sie sinngemäß erschlossen wird. Die Frage lautet nun: Wem obliegt es, herauszufinden, wer oder was mit „man fī as-samāʾ“ gemeint ist?
[Vereinfacht gesagt: In dieser 'Āyah verweist das Wort „man“ tatsächlich auf Allāh, den Schöpfer. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass alles, was danach genannt wird, Sein Selbst (Dhāt) beschreibt. Es kann sich auf etwas beziehen, das zu Ihm gehört oder von Ihm ausgeht, wie etwa Seine Engel, Sein Befehl oder Seine Macht. Die Formulierung „man fī as-samāʾ“ sagt nicht von selbst, wer genau gemeint ist oder was sich im Himmel befindet. Dieser fehlende Teil muss gedanklich ergänzt werden, damit der Satz überhaupt einen Sinn ergibt. Und jetzt kommt der entscheidende Punkt: Diese Ergänzung darf nicht einfach jeder nach Belieben festlegen. Denn je nachdem, wie man den Satz ergänzt, entsteht eine völlig andere Bedeutung. Ergänzt man etwas Falsches, kommt man zu falschen Vorstellungen über Allāh. Ergänzt man etwas Richtiges, bleibt man im Einklang mit dem edlen Qurʾān. Deshalb stellt sich die wichtige Frage: Wer darf entscheiden, wie dieser Satz richtig zu verstehen und geistig zu ergänzen ist?]
Diese Einschätzung obliegt den Leuten des Wissens, der Untersuchung und der Ableitung (Istinbāṭ). Da diese Gelehrten zu den Mudschtahidīn gehören und nicht unfehlbar sind, ist ihre Einschätzung zweifelhaft, [denn jeder Mensch, der nicht unfehlbar ist, kann Fehler begehen, selbst wenn es sich hierbei um Gelehrte handelt]. Daraus folgt, dass auch dieser Beweis - d.h. die genannte 'Āyah - in Bezug auf ihre Bedeutung zweifelhaft ist (ẓannī ad-Dalālah) ist. Alles, was in Bezug auf die Bedeutung zweifelhaft ist, gehört zu den mehrdeutigen 'Āyāt (Mutaschābihāt). Damit die mehrdeutigen 'Āyāt korrekt verstanden werden, müssen sie auf die eindeutigen 'Āyāt (Muḥkamāt) des edlen Qurʾān zurückgeführt werden.
Für Deutung dieser 'Āyah bzw. für die Interpretation des nicht ausdrücklich Erwähnten - in unserem Fall wer oder was mit „man" gemeint ist - bestehen mehrere Möglichkeiten. Jede Interpretation, die den eindeutigen 'Āyāt des edlen Qurʾān widerspricht, ist nichtig und zurückzuweisen. Die gültige Interpretation ist jene, die mit den eindeutigen 'Āyāt es edlen Qurʾān übereinstimmt. Das unumstößliche Prinzip des edlen Qurʾān hinsichtlich der Eigenschaften Allāhs lautet:
لَيْسَ كَمِثْلِهِ شَيْءٌ
Gemäß der ungefähren Übersetzung der Auslegung des Übersetzers:
„Nichts ist Ihm gleich.“
Quelle: Der edle Qurʾān, Sūrah al-Schūrā [42], 'Āyah 11)
Seine Eigenschaften gleichen nicht den Eigenschaften der Geschöpfe. Allāh ist über jede Eigenschaft erhaben, die zu den Eigenschaften der Geschöpfe gehört. Dazu zählen die Körperlichkeit, der Ortswechsel von einem Ort zu einem anderen sowie die Bedürftigkeit nach anderem - all dies ist abzulehnen. Kehren wir nun zur Aussage des Erhabenen „man fī as-samāʾ“ zurück. Die Formulierung „man fī as-samāʾ“ kann verschieden interpretiert werden, etwa mit: Seine Engel, Seine Gnade, Seine Versorgung und Ähnliches. Die Interpretation von „Ort“, „Wohnsitz“ oder der Existenz von Allāhs Selbst (Dhāt) im Himmel an einem bestimmten Ort würde bedeuten, dass Allāh den Geschöpfen ähnelt. Diese Interpretation ist daher zurückzuweisen, nichtig, falsch und darf nicht vertreten werden, da sie den eindeutigen 'Āyāt des edlen Qurʾān widerspricht. Folglich bleibt nur eine Interpretation, die mit dem edlen Qurʾān bzw. mit dessen eindeutigen 'Āyāt übereinstimmt, wie etwa:
„Fühlt ihr euch sicher vor Dem, dessen Engel im Himmel sind?“ oder „[…] dessen Gnade im Himmel ist?“ oder „[…] dessen Versorgung im Himmel ist?“ Diese Interpretation ist zutreffend und verbindlich, während jede gegenteilige Auffassung, die den eindeutigen 'Āyāt des edlen Qurʾān widerspricht, abzulehnen ist.
Und Allāh weiß es am besten und ist weiser.
